Am
sechsten April 1943, also ziemlich genau vor 70 Jahren erschien das
Buch "Der kleine Prinz" von
Antoine de
Saint-Exupéry. Es ist heute eines der meist gelesenen Bücher der
Welt. Der Inhalt: Ein
niedlich gemalter Junge hält einen in der Wüste abgestürzten
Piloten durch die Absonderung von Poesiealbumsweisheiten davon ab
sein Flugzeug zu reparieren. Außerdem geht es um Freundschaft und
darum, dass Erwachsene nicht in der Lage seien, das Wesentliche zu
erkennen. Kinder aber schon. Diesen Umstand versucht der Autor anhand
der Tatsache zu belegen, dass die Erwachsenen als er ein Kind war,
eine Zeichnung von ihm nicht erkannten. Sie sahen einen Hut, es
sollte aber eine Schlange, die einen Elefanten verdaut darstellen.
Das talentlose Gekrakel sah aber leider aus wie ein Hut. Kinder
können halt nicht besonders gut malen, Legionen von Kühlschranktüren
geben Zeugnis davon. Der Erzähler aber ist sofort beleidigt und gibt
das Malen auf. Der Autor selber leider nicht, er illustrierte sein
Buch selber und zwar in süßlichster Weise. Der kleine Prinz ist
stilistisch ein Vorgängermodell von Prinzessin Lillifee und außerdem
ein äußerst geschwätziges Kind und ein veritabler Lügner. Der
Planet von dem er stamme sei nicht größer als ein Haus, behauptet
er, so ein Steinchen genügt aber niemals der Planetendefinition der
International Astronomical Union, die ja 2006 sogar den guten alten
Pluto runtergestuft hat, noch wäre es in der Lage genügend
Gravitation geschweige denn eine Atmosphäre zu erzeugen, dass der
Prinz und seine nervtötende Rose in die er verliebt ist dort
überleben könnten. Aber es ist ja ein Märchen, und Phantasie ist
ja was ganz, ganz Tolles, also lassen wir das mal durchgehen und
schauen, was uns das schmale Büchlein ansonsten inhaltlich mit auf
den Weg gibt. Eines der berühmtesten Zitate stammt von einem Fuchs
und lautet: "Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche
ist für die Augen unsichtbar." Der gute alte Konflikt zwischen
Gefühl und Ratio und irgendwie scheint sich die Welt darauf geeinigt
zu haben: Gefühle sind die Guten. Das ist Möchtegern-Tiefsinn für
denkfaule Hippies und Esoteriker, kein Wunder, dass die
Bhagwan-Jünger ihre Kölner Diskothek nach dem Rotzlöffel benannt
haben. Sollte ich jemals am offenen Herzen operiert werden, möchte
ich jedenfalls nicht, dass der Chirurg seine Entscheidungen so aus
dem Bauch heraus trifft. Außerdem sind Gefühle belanntermaßen für
zahllose Verbrechen verantwortlich, die aus dumpfem Hass begangen
werden, das sollte man nicht vergessen. Der neunmalkluge Fuchs sagt
aber auch: "Die
Sprache ist die Quelle aller Missverständnisse." Wow, was für
eine Erkenntnis! Und wie lautet die Lösung? Soll man sich
anschweigen und so vor sich hinfühlen, ist das das Leben das
Saint-Exupéry uns vorschlägt: Leben wie die Tiere. Und als sei das
nicht evolutionärer Rückschritt genug kann man dann noch eine
sexuelle Beziehung mit einer Rose anstreben. Danke für den Tipp.
Damit man das Buch aber für besonders tiefsinnig halten kann,
enthält es Stellen, die absolut unverständlich sind. Beispiel: Der
kleine Prinz trifft einen Weichensteller, der die Schnellzüge bald
hier bald dorthin fahren lässt und es entspinnt sich folgender
Dialog:
»Wohin
wollen sie?«
»Der
Mann von der Lokomotive weiß es selbst nicht«,
sagte der Weichensteller.
»Das wechselt.«
»Waren sie nicht zufrieden dort, wo sie waren?«
»Man ist nicht zufrieden dort, wo man ist«, sagte der
Weichensteller.
Und es rollte der Donner eines dritten funkelnden
Schnellzuges vorbei.
»Verfolgen diese die ersten Reisenden?«, fragte der kleine
Prinz.
»Sie verfolgen gar nichts«, sagte der Weichensteller.
»Sie schlafen da drinnen oder sie gähnen auch. Nur die
Kinder drücken ihre Nasen gegen die Fensterscheiben.«
»Nur die Kinder wissen, wohin sie wollen«, sagte der
kleine Prinz.
»Sie wenden ihre Zeit an eine Puppe aus Stoff-Fetzen, und
die Puppe wird ihnen sehr wertvoll, und wenn man sie
ihnen wegnimmt, weinen sie ...«
»Sie haben es gut«, sagte der Weichensteller.
sagte der Weichensteller.
»Das wechselt.«
»Waren sie nicht zufrieden dort, wo sie waren?«
»Man ist nicht zufrieden dort, wo man ist«, sagte der
Weichensteller.
Und es rollte der Donner eines dritten funkelnden
Schnellzuges vorbei.
»Verfolgen diese die ersten Reisenden?«, fragte der kleine
Prinz.
»Sie verfolgen gar nichts«, sagte der Weichensteller.
»Sie schlafen da drinnen oder sie gähnen auch. Nur die
Kinder drücken ihre Nasen gegen die Fensterscheiben.«
»Nur die Kinder wissen, wohin sie wollen«, sagte der
kleine Prinz.
»Sie wenden ihre Zeit an eine Puppe aus Stoff-Fetzen, und
die Puppe wird ihnen sehr wertvoll, und wenn man sie
ihnen wegnimmt, weinen sie ...«
»Sie haben es gut«, sagte der Weichensteller.
So. Mal
abgesehen davon, dass Lokomotivführer ihr Ziel immer kennen: Wieso
wissen die Kinder, wohin sie wollen und wo wird das hier erklärt? Es
ist eine unbelegte Behauptung, der Ideologie entsprungen, Kinder seien
die besseren Menschen. Das einzige, was man hier lernt, die einzige
Aussage, die hier Hand und Fuß hat lautet: Wenn man Kinder zum
Heulen bringen will, muss man ihnen die Puppe wegnehmen. Das wusste
ich aber auch schon vorher, ich habe schließlich Erzieher gelernt.
Ansonsten: Wenn man will, dass Kinder verblöden und einen schlechten
Literaturgeschmack entwickeln, dann lese man ihnen den kleinen
Prinzen vor.

